DER DARM
Physiologie oder wie funktioniert Verdauung
Der Verdauungstrakt ist ein faszinierendes Zusammenspiel verschiedener Organe. Hier wird Nahrung aufgenommen, aufgespalten, verwertet, resorbiert und unverdauliche Reste ausgeschieden. Jedes Organ hat dabei spezielle Funktionen und physiologische Besonderheiten. Die Verdauung teilt sich in mechanische und chemische Abläufe.
Die zwei grossen Aufgaben der Verdauung sind:
- Abbau der grossen Strukturen
- Umwandlung in eine zur Resorption geeignete Form
Wir starten mit der Mundhöhle und ihrem Mikrobiom:
Mundhöhle und orales Mikrobiom – Das Tor zur Gesundheit
Die Nahrung wird in der Mundhöhle nicht nur zerkleinert. Hier beginnt auch die Verdauung und wir haben einen ersten immunologischen Schutz für alles, was durch den Mund in unsere Welt hineinkommt. Bei unserer Mundbarriere beginnt unsere Darmbarriere.
Funktion im Allgemeinen:
- mechanische Zerkleinerung der Nahrung
- Bewegung des Speisebreis durch die Zunge
- Schluckreflex
- Produktion von Speichel, ca. 1 Liter pro Tag
Funktionen des Speichels:
- Vorverdauung von Kohlenhydraten durch das Enzym Amylase
- Vorverdauung von Fetten durch das Enzym Zungengrundlipase
- Überzug des Speisebreis mit Schleim für den Schluckvorgang
- Befeuchtung der Mundhöhle
- Abwehr von Viren, Bakterien und Pilzen
- Kontrolle der Mundflora und der Plaque
- Neutralisation von Giftstoffen
- Abpuffern von Nahrungsmittelsäuren
- Schutz und Remineralisation der Zähne
- Schutz der Mundschleimhaut
- Regulation des ph-Wertes
- Erleichtert das Sprechen
- Geschmackswahrnehmung – löst Geschmacksstoffe und führt sie den Geschmacksknospen zu
Die Funktionen des Speichels sind vielfältig. Die Auswirkungen auf Gesundheit und Krankheit ebenfalls. Deshalb sind eine optimale Zusammensetzung und Produktion des Speichels extrem wichtig.
Was beeinflusst unsere Mundhöhleund welche Auswirkungen hat es?
- Ernährung – unsere Nahrung hat im positiven, wie auch im negativen einen grossen Einfluss -> sie fördert oder hemmt krankmachende Keime, beeinflusst den pH-Wert des Speichels und das orale Mikrobiom
- Atmung – Luftzusammensetzung -> unsere Luft beinhaltet Partikel, die mit unseren Schleimhäuten interagieren / die Luftfeuchtigkeit nimmt Einfluss auf den Speichelfluss, die Schleimhäute und mukoziliäre Clearance (Funktion der Flimmerhärchen)
- Mund- / Nasenatmung –> Nasenatmung – der gesunde Standard / Mundatmung – ein stiller Störfaktor -> beeinflusst den Speichel, den pH-Wert und das orale Mikrobiom
- Alkohol –> beeinflusst die Speichelsekretion und fördert krankmachende Keime
- Rauchen -> beeinflusst die Durchblutung des Zahnfleisches, der Speichelproduktion und das Immunsystem
- Medikamente -> Beeinflussung auf verschiedene Weise –Schleimhautveränderungen, pH-Wert-Veränderungen, Reduktion des Speichelflusses, etc.
Das orale Mikrobiom
Das orale Mikrobiom besteht aus mehr als 700 bekannten Bakterienarten, Pilzen, Viren und Archaeen, die den Mund besiedeln. Ein gesundes orales Mikrobiom ist dynamisch ausbalanciert und erfüllt wichtige Aufgaben.
- es schützt uns vor krankheitsfördernden Keimen
- sie produzieren anitmikrobielle Substanzen (z.B. Bakteriozine, Wasserstoffperoxid)
- es reguliert und unterstützt das orale Immunsystem
- es beugt Entzündungen vor, z.B. Gingivitis und Parodontitis
- es hilft bei der ph-Regulation des Speichels
- es hilft bei der Vorbeugung gegen Karies
- es hilft metabolische Gesundheit und Herz-Kreislauf-Balance zu fördern (systemische Wirkung über die Mundschleimhaut)
- es hilft der Infektabwehr im oberen Atemtrakt
- gemeinsam mit dem Speichel hilft es bei der Vorbereitung einer gesunden Verdauung
Einfluss des oralen Mikrobiomslokal und systemisch:
- Störung der oralen Mikobenbalance <-> z.B. Parodontitis -> dadurch permanent erhöhte Ausschüttung proinflammatorischer Zytokine (Botenstoffe des Immunsystems)
- über Speichel, Blutgefässe (z.B. im Zahnfleisch) oder das Schlucken gelangen mikrobakterielle Bestandteile (z.B. Endotoxine wie LPS) in den gesamten Organismus
- sie können entzündliche Signalwege aktivieren – v.a. über Toll-like-Rezeptoren (unterscheiden zwischen Freund und Feind) und systemische Low-Grade -Inflammation fördern
Care (Prävention) & Cure (Therapie) unserer Mundhöhle und des oralen Mikrobioms
Ein gesundes orales Mikrobiom ist ein stiller, aber mächtiger Verbündeter für unsere systemische Gesundheit. Um es zu fördern und zu stabilisieren, genügen oft einfache, ganzheitliche Massnahmen im Bereich Ernährung und Lebensstil.
Schlüsselmassnahmen für ein gesundes orales Mikrobiom
1. Sanfte aber konsequente Mundhygiene
- mindestens 2x tgl. Zähne putzen
- 1 x tgl. Zahnseide nutzen
- Zunge reinigen
- 1-2x / Jahr professionelle Zahnreinigung
- Ziel: schädliche Biofilme und Plaque kontrollieren, ohne das orale Gleichgewicht zu stören
2. Die guten Bakterien füttern
- Wenig Zucker und raffinierte Kohlenhydrate essen -> das ist die Hauptnahrung für pathogene Bakterien und verändert den pH-Wert des Speichels
- Ballaststoffe fördern auch das orale Mikrobiom
- Fermentierte Lebensmittel enthalten gesundmachende – und erhaltende Mikroben
- Grüner Tee (biologisch) – enthält antibakterielle Polyphenole gegen Sreptococcus mutans
- Ausreichend Wasser trinken
- Pro-Oral-Foods*
3. Stressregulation und Schlaf
- Stress verändert die Zusammensetzung des Speichels
- Gesunder Schlaf ist regenerativ auch für die Mundschleimhaut und das Immunbalance
4. Verzicht auf Rauchen und übermässigen Alkoholkonsum
- Tabak verändert massiv das orale Mikrobiom – zugunsten pathogener Keime
- Alkohol (v.a. hochprozentiger, auch in Mundspülungen) stört das mikrobielle Symbiose
5. Saubere und feuchte Luft
- Regelmässige Bewegung an der frischen Luft in der Natur
- Räume regelmässig lüften
- Trockene Luft in Räumen vermeiden
epikur Trilogy
Für deine Darmgesundheit.
Studien:
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